the feedtail

(anlässlich dieser basicthinking kürzt feed debatte (etwa, oder, oder) eine persönliche miniökonomie der feeds, wobei ich den ganzen komplex monetarisierung und die damit meistens verbundene moralisierung ausklammere, der ist auf mehreren ebenen unfruchtbar)

  • die y-achse indiziert mein interesse an einer quelle
  • die x-achse die anzahl an mit der jeweiligen interessantheit assoziierten quellen
  • die rote l-kurve zeigt meine verteilung an

es gibt also nur sehr sehr wenige quellen, an denen ich sehr sehr grosses interesse habe, es gibt hunderte quellen, an denen ich eigentlich doch schon interessiert bin, und es gibt millionen quellen, die sicher auch gelegentlich irgendwas irgendwie interessantes beinhalten.

(welche quelle für einen interessant ist oder nicht ist übrigens nicht nur naturgemäss für jeden verschieden, das hängt auch davon ab, welche anderen quellen man kennt und liest. je mehr andere quellen man liest, desto mehr verschiebt sich das attribut interessant ins kompatibel komplementierende)

nun ist es so, dass es natürlich toll wäre, alles auch nur irgendwie interessante zu lesen, nur geht sich das zeitlich nicht aus. man muss also für sich selbst infoökonomische verfahren entwickeln, was man wie in sich reinlässt und was nicht.

je nach disposition gibt es eine ganze reihe möglicher verfahren. man kann zb. einzelne quellen und/oder redaktionell vorselektierende portale und/oder algorithmisch vorselektierende memetracker bookmarken und täglich ansteuern und alles andere ignorieren (oder mit anderen praktiken kombinieren). oder man kann (wichtige nachrichten finden mich blabla) in div. sozialen empfehlungsströmen treiben und alles aufsaugen und alles andere ignorieren (oder mit anderen praktiken kombinieren). oder man kann – und das ist die mit abstand bequemste und effizienteste methode, um viele heterogene inputströme zu konsumieren – sich sein eigenes bündel an quellen via RSS zusammenstellen und diese in einem feedreader lesen (und das mit anderen praktiken kombinieren).

(welche praktiken für einen passend sind oder nicht ist übrigens wiederum nicht nur naturgemäss für jeden verschieden, es ist auch völlig unwertend. allerdings trifft man idealerweise seine entscheidung, nachdem man sich etwas mit allen möglichkeiten herumgespielt hat)

aber wie gesagt: wer viele quellen effizient lesen möchte, der kommt um einen feedreader nicht herum. das ist nix für alle, es erfordert zeit, aber es hat auch einige von anderen methoden nicht emulierbare vorteile. vor allem bei echtem interesse an einem thema. auch die besten portale, thematisch fokusiertesten memetracker und smartesten aggregatoren tendieren zum hochspülen des kleinsten gemeinsamen nenners, die echten goodies findet man nur im feedreader.

doch zurück zum diagramm:

jedes der oben erwähnten (und aller anderer) verfahren verursacht neben dem sich ergebenden informationsnutzen auch rezeptionskosten (zeit, anzahl an klicks, anzahl an medienbrüchen, usw.). der wert einer quelle unterm strich ergibt sich also nicht alleine aus der interessantheit, sondern auch aus dem damit verbundenen aufwand. (man könnte die rote kurve also auch als indifferenzkurve lesen: je interessanter, desto mehr aufwand nehm ich in kauf, je weniger (aber natürlich immer noch) interessant, desto weniger.)

in meinem setup gibt es zwei grenzwerte:

  • blauer punkt: quellen, die ich immer lese, egal ob fullfeed oder excerptfeed oder nofeed. rein theoretisch übrigens, in meinem feedreader hab ich glaub ich zwei excerptfeeds, alle anderen haben ohnehin fullfeeds.
  • grüner punkt: quellen, die ich nur lese, wenn es sie im fullfeed gibt.

anders als noch vor zwei, drei jahren ist es mir als kleine randbemerkung mittlerweile übrigens völlig wurscht, ob wer einen fullfeed hat oder nicht; twitter und friendfeed und alle memetracker haben meine klickbereitschaft doch deutlich verändert und im dortigen kontext stört mich auch das herumklicken nicht. aber im feedreader empfinde ich excerptfeeds als extrem störend, weil sie den leseflow doch stark unterbrechen, und also subscribe ich sie nur seltenst. nicht weil ich mich als klickvieh verraten fühle etc., sondern einfach weil es für mich bessere alternativen gibt.

als publisher muss man sich über eines jedenfalls im klaren sein: das umstellen von fullfeeds auf excerptfeeds bringt vl. einige klicks, birgt aber auch mitunter signifikante opportunitätskosten. man verliert nicht nur leser (alle, bei denen man auf deren eigenen indifferenzkurve zwischen dem grünen und blauen punkt liegt), man verliert gerade die, denen das wichtig ist, weil sie mehr als nur eine quelle lesen und ihren output dann sharen und faven und streuen usw, man verliert die katalysatoren und damit alle von diesen getriggerten indirekten klicks. do the math, wobei das natürlich von der verteilung der dispositionen der leserschaft abhängt.

(im falle basicthinking (oder auch heise etc.) ist das, glaub ich, eher egal, weil die vorwiegend, glaub ich wiederum – das müsste mal jemand statistisch auswerten -, vor allem leute ansprechen, die wenige andere quellen kennen, die wenige feeds lesen, und für die basicthinking also ohnehin sehr interessant ist, also im blauen bereich liegt.)