Im Grunde funktioniert das Web sehr einfach. Das Web ist wahrscheinlich der grösste Möglichkeitsraum, den die Menschheit je hervorgebracht hat. Nicht weil die zugrundeliegende Denkleistung so phänomenal ist, sondern weil es eine Infrastruktur definiert, die sämtliche Medien subsummiert und in sich aufnimmt, und vor allem: weil es unsere Möglichkeiten der Kommunikation potenziert.

Das Web macht also ein Angebot, genauer: das Web ist die Summe aller Einzelangebote in Form von Anwendungen und deren Zusammenspiel.

Um ein beliebiges Angebot wahrzunehmen müssen 3 Voraussetzungen erfüllt sein:

  • man muss das Angebot kennen.
  • man muss das Angebot verstehen.
  • man kennt kein ‘besseres’ Bündel das mehr Nutzen bringt.

Unter dem Strich: es geht darum, dass wir durch die Benutzung eines Dienstes besser dastehen, als ohne.

Man kann – wenn man will – Webanwendungen in zwei Kategorien unterteilen:

  • Anwendungen, deren Sinn sich selbst erklärt.
  • Anwendungen, deren Sinn sich erst durch Nachdenken / Nachahmen / Anwendung etc. erschliesst.

Ich will niemandem zu nahe treten, aber es sprechen einige Symptome dafür, dass die meisten Menschen sehr gut darin sind, Anwendungen die sich selbst erklären für sich nutzbar zu machen, wenn sie ihnen Nutzen bringen (i.e. die meisten schauen mal schnell was in der Wikipedia nach, oder gehen auf ebay auf Schnäppchenjagd, oder bestellen sich Bücher bei Amazon, oder bestellen Zugtickets, oder schauen Videos auf YouTube, usw usf.)

Doch schon deutlich weniger erkennen das Potential von Anwendungen, deren Sinn und Nutzen sich nicht sofort erschliesst und aufdrängt. Man darf glaub ich 2 Fehler nicht machen: glauben, dass man alles verwenden muss. Oder glauben, dass man nichts versäumt. Man darf auch nicht glauben, dass nur Wert hat, was für alle wertvoll ist. Die Schönheit im Web ist das Potential der Ausdifferenzierung, dass sich jeder das Bündel an Anwendungen zusammenstellen kann, das mit den eigenen Interessen am meisten kompatibel ist, dass jeder genau soviel Zeit investieren kann, wie er will.

Dass sich Leute, die beruflich mit dem Web zu tun haben, ein anderes Produktportfolio zusammenstellen und mehr Zeit investieren ist klar, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es trotzdem Opportunitätskosten gibt, Tools nicht zu kennen und zu verstehen.

Ich stelle mir seit langem die Frage: woher kommt der Widerstand sich 30 Minuten hinzusetzen und zu versuchen RSS zu verstehen, wenn das die eigene Produktivität was den Konsum von Nachrichten betrifft, um den Faktor 5 bis 10 erhöht? Mehr als 30 Minuten dauert es nicht, dennoch halten sich die Adaptionsraten in Grenzen.

Wenn man die Voraussetzungen oben als Matrix verwendet: viele kennen es nicht, und vielen, die irgendwie darüber gestolpert sind, erschlisst sich der Sinn nicht. Es geht nicht darum, ob RSS jetzt ein Hype ist oder nicht und was irgendwer über RSS sagt oder nicht sagt, es geht darum, dass RSS einen enormen Wertvorschlag macht, den man annehmen kann, oder nicht. Und nur wer RSS kennt kann eine informierte Entscheidung darüber treffen, in welchem Umfang er RSS einsetzt oder nicht. Wer dann lieber den Guardian genüsslich in seinem Lieblingscafe liest, der macht alles richtig. Aber wer aufgrund einer Ignoranz die Möglichkeiten erst gar nicht kennt, der bleibt halt auf seinen Opportunitätskosten sitzen. Macht natürlich auch nichts, aber trotzdem ist es schade drum.

Nun sind alleine in den letzten 3 Jahren mindestens 20.000 Services gestartet (keine Hausnummer) und es wäre mehr als ein Fulltimejob, jeden dieser Dienste auf den individuellen Nutzen hin zu überprüfen. Es gibt also auch Informationsbeschaffungskosten. Wenn es mehr Aufwand macht einen Dienst zu finden als er dann nutzen bringt, dann ist es nicht sinnvoll diesen Aufwand einzugehen. Zum Glück hat das Web Mechanismen etabliert, die einem die meiste Arbeit abnehmen. Die Antwort heisst nicht Massenmedien wie TV, Spiegel oder Heise, sondern Blogs. Einige Tausend Blogger haben es sich zur Aufgabe gemacht wie Eichhörnchen auf die Suche nach dem nächsten grossen Ding zu gehen, sie testen aus, filtern, bewerten usw. Blogs, die sich dabei als besonders gut erweisen bekommen grössere Leserschaften und fungieren als Verstärker. Das heisst nicht, dass sie alles finden oder dass sie das beste toll bewerten, aber im grossen und ganzen funktioniert das nicht schlecht.