präzisierende nachfrage: abgesehen von “warum gerade formspring “ (antwort: zufall, abweichungsverstärkung, kritische masse, zackwumm), warum ist so was im prinzip faszinosum für viele?

a in zeitknappheit:

(voraussetzung)

  • es ist einfach genug und das prinzip (ah, ich kann entweder eine frage stellen und der antwortet dann oder ich melde mich an und dann können mir andere fragen stellen und ich antworte dann) erschliesst sich den meisten (und jedenfalls allen, die schon ein twitter-account haben) auf den ersten blick.

(distribution)

  • die verbreitung hat virales potential. wer angefixt ist will mehr und promotet sein formspring auf twitbook, und weil es einfach genug ist und es sich auf den ersten blick erschliesst, probieren andere das auch.

(narzissmus)

  • es hat eine narzisstische komponente (schmeichelfaktor, dass irgendwer gerade von mir etwas wissen will, ich bin das subjekt, dem wissen unterstellt wird, usw.)
  • damit verbunden ein emotionales attachment (muss mal die inbox checken, ob es neue fragen gibt)

(platt-form)

  • es hat die essenz des prinzips frage&antwort (das es ja im web in hunderten variationen gibt und das sich auf sokrates und sicher auch bis in die steinzeit zurückverfolgen lässt) gwm. als fundamentalen datentyp extrahiert, indem es alle üblichen kontextualisierung eliminiert hat. und es hat sich selbst als plattform dafür etabliert.
  • die form ist deshalb also flüssig und passt sich an jede individuelle interpretation an. man kann witzig, eloquent, ehrlich, whatever antworten (bzw. fragen) und soviel aufwand reinstecken, wie man will.
  • gleichzeitig sind die formsprings öffentlich aber non-kompetitiv. öffentlich ist wichtig, weil man sonst auch via email, via dm etc. fragen könnte, die öffentlichkeit führt aber die phantasie der universalität und der ‘verantwortung’ ein, weil es publiziert ist; non-kompetitiv ist auch nicht unwichtig, weil man auf seinem platzerl machen kann was man will, und es ist ok.
  • das führt wiederum dazu, dass man die wunderlichsten blüten sieht. menschen haben einen eingebauten spieltrieb, und je offener das rohmaterial und das endergebnis ist, desto grösser ist das potential für diverseste spannende selbstselektionen und ausdifferenzierungen.
  • diese individuellen ausdifferenzierungen führen wiederum zu kollektiven lernprozessen und feedbackschleifen. wir sind affen und haben neben dem spieltrieb ein eingebautes mimetisches potential, machen also das beste nach, bauen darauf aber auch auf. frage hier ist, wieviel davon nachhaltig handlebar wird, sich als stil etablieren kann usw.

((limits))

  • es skaliert wohl nicht. es ist lustig, am ersten, zweiten und dritten tag drei (oder bei entsprechender disposition fünfzig) fragen zu beantworten oder sich selbst fragen zu stellen, die man schon immer beantworten wollte. wochenlanges beantworten von hunderten fragen am tag wird, glaub ich, mühsam. zunächst sind alle fragen toll, fragen werden sich wiederholen, werden irgendwann lästig usw. das muss nicht so sein, aber gefühlsmässig fackelt sich das potential ab.
  • und wenn die mischung irgendwann nicht mehr stimmt, setzt eine abwärtsspirale ein (man antwortet nicht mehr, oder ungelaunt, das wiederum reduziert die motivation fragen zu stellen etc.)