Mir persönlich ist das Thema zwar eher egal, ich kaufe mir auch gerne die Bücher und Platten und DVDs, die ich wirklich haben will, die ganzen Filesharing-Dienste und Darknets kenn ich nur vom Hörensagen, auch die ganzen Pros und Cons krieg ich nur peripher mit, aber ein paar Punkte als Reaktion auf wiederkehrende Themen als Milchmädchenrechnung:

Die aktuelle Gesetzgebung bewirkt die grösste Verhinderung der Erzeugung von kulturellem Wert und den grössten Wohlfahrtsverlust, den es jemals gegeben hat.

Als Menschheit sind wir das erste Mal in der – vor 10 Jahren noch völlig undenkbaren – Situation, dass einerseits jeder – digital divide aside – potentiell Zugang zu jedem bis dato erzeugten Kulturprodukt haben könnte. Jeder Gedanke, jeder Groove, jeder Take aus jedem Film der jemals gedacht, gespielt, gedreht wurde, und alles andere könnte potentiell jedem, der Zugang zum Internet hat, zugänglich sein. (Leicht zugänglich gemacht wird im übrigen nur, was verblödet.)

Und nicht nur zugänglich, es könnte auch Ausgangspunkt für Weiterverarbeitung in Form von Mashups, Remixes, Samples, whatever sein, weil wir auch das erste Mal mit jedem PC/Mac/und Linux sowieso gleich mitgelieferte oder webbasierte Tools haben, mit denen wir diesen digitalen Content weiterverarbeiten können. Egal jetzt, ob wir einen Track als Hintergrundmusik für Fotos verwenden, die wir der Oma zeigen, oder die Rede eines Politikers arselectronicatauglich dekonstruieren, oder Samples verschiedener Quellen zu einem Mashup rekombinieren. Wir könnten mit allem spielen, und wir könnten die Ergebnisse davon wiederum in den kollektiven Gesamtoutput zurückführen.

Betonung liegt auf könnte, weil es eben die Einschränkungen gibt, die zuvor vorwiegend distributionstechnisch bedingt waren, jetzt aber rein verwertungsrechtlich sind. Die gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen Opportunitätskosten, die dadurch entstehen, sind jenseits jeglicher Vorstellungskraft.

Diebstahl

Was man auch oft hört, ist, dass wir Diebstahl von geistigem Eigentum sehen, der die Produzenten um ihren verdienten Lohn bringen – und mittelfristig dazu führen wird, dass die kulturellen Güter schlicht nicht mehr erzeugt werden.

Aber zumindest in meinem naiven Verständnis hat Diebstahl eher mit einem Wegnehmen zu tun. Ich nehm es mir und ein anderer hat es dann nicht mehr. Ich hab dann einen Vorteil, der andere einen Nachteil.

Der Zugang zu einer digitalen Kopie nimmt niemandem etwas weg. Ich hab zwar auch plötzlich Zugang zu den gleichen Daten, aber ich habe dem Besitzer nichts weggenommen. Er hat es immer noch.

Andere Rechte regeln natürlich, dass ich das trotzdem nicht darf, aber die Konnotationen von Diebstahl greifen bei digitalen Gütern nicht.

Das andere was gegen das Gefühl eines Diebstahls spricht ist die Omnipräsenz von den zwei Problemkindern Musik und Film. Sie sind ohnehin überall. Wenn man den Fernseher anschaltet oder das Radiio anmacht strömen sie auf dutzenden frei wählbaren Kanälen auf uns ein, und auch im Web gibt es unzählige legale Dienste.