Robert Basic beklagt eine Innovations-Pause im US-Web – seit 2005 tue sich nichts mehr wegweisendes, 2006 nur Nachahmer, für 2007 sei nix in Sicht.

Naja.

Was man ev. sagen kann ist, dass die Zeit der neuen Megaseiten die dann auch bis zum Spiegel oder der Zeit durchdringen (myspace, youtube, craigslist, flickr, facebook, digg, delicious, lastfm) wohl für die nächste Zeit vorbei ist. Das liegt aber nicht an einer damals vorhandenen aber seit 2 Jahren stagnierenden Innovationsfähigkeit, sondern eher daran, dass diese Seiten quasi die Pilger / Kolonialisten der fundamentalen Datentypen (Text, Bild, Ton, Video, soziale Beziehungen, Waren, Bookmarks als webspezifischer Anker) unter readwriteweb-Bedingungen waren. Und nachdem die Pfründe bzgl. dieser fundamentalen Datentypen einmal gesichert waren und der Paradigmenwechsel vom (im allgemeinen jetzt) Empfänger zum (zumindest von der gegebenen Möglichkeit her) Sender einmal stattgefunden hat, haben sich die Gewinner bzgl. der jeweiligen Bereiche eben als supererfolgreiche Plattformen positioniert. Smash Hits waren sie aber nicht deshalb, weil sie besonders innovativ waren, sondern weil diese Bereiche mehr oder weniger jeden tangieren (Teenager gibt’s in den USA 50Mio -> myspace, Leute die ihre Haustiere verkuppeln wollen schon deutlich weniger -> matchmypet; digitale Photos hat jeder -> flickr, Bücher auch schon wieder weniger -> librarything, hmm, Amazon Reviews…, egal).

Ende 2004 waren die Rezepte mehr oder weniger bekannt (Usability: Gmail; alle für alle: del.icio.us; Allesschlucker: MySpace), O’Reilly fand dafür einen Namen, Breitband war bezahlbar, die Einstiegskosten für Startups waren mitunter aus der eigenen Tasche finanzierbar, 2005/2006 kam es zu einer tatsächlichen Explosion von realisierten Ideen, anders kann man die mehr als 10.000 (keine Hausnummer) neuen Tools die in den letzten 2 Jahren entwickelt wurden nicht beschreiben, nur stecken die Innovationen dann eher im Detail, in der Verfeinerung und Spezialisierung, in der Ausdifferenzierung der beteiligten Subsysteme (S3, Elastic Compute Cloud), in der Art und Weise wie diese sich wechselseitig durchdringen und verkoppeln und verkuppeln, im Graben von Kanälen wie Daten fliessen können (Mashups, Widgets), im Dekonstruieren und Reaggregieren (Memetracker, smart Aggregators), im Finden von anderen ökonomischen Modellen (Crowdsourcing, social Commerce Modelle), usw.

Natürlich gibt es Nachäffer, der 500ste digg-Klon ist mit pligg oder etwa auf crispynews schnell aufgesetzt und als innovativ lässt sich das dann schwer beschreiben, aber auch die machen mitunter Sinn, wenn sie sich lokalisieren (etwa yigg) oder thematisch spezialisieren (etwa pick!t) oder die Metapher etwas umdeuten (etwa reddit) oder sich mit einem bestehenden Angebot vermischen (etwa newsvine). Aber damit war es ja nicht getan, ganz im Gegenteil, man muss nur genauer hinschauen (wenn einen das interessiert, wenn einen das nicht interessiert verpasst man natürlich auch nichts). 2007 wird wunderbar.