Das Handelsblatt – ich schätze mal Thomas Knüwer, kaum sonst jemand liegt mit seinen Einschätzungen zum Web 2.0 so konsistent daneben – zum Label beta:

Wer würde in ein Flugzeug steigen, über dessen Bordtüren ein Schriftzug warnt: “Dieses Flugzeug haben wir noch nicht zu Ende entwickelt und seine Absturzsicherheit ist noch nicht getestet.”? Wer würde Medikamente schlucken, deren Packungsbeilage informiert: “Über Risiken und Nebenwirkungen wissen wir noch nichts. Sollten Sie welche verspüren, füllen Sie bitte beiliegendes Formular aus.”? Was in der Alltagswelt absurd erscheint, hat bei modernen Web-Diensten Hochsaison.

Der Vergleich mit der Luftfahrt / den Medikamenten hinkt natürlich, das Schlimmste was einem bei irgendeinem Web 2.0 Dienst üblicherweise passieren kann, ist, dass man ein paar Daten verliert – und das kommt so gut wie nie vor. Aber interessant ist dann doch, dass eigentlich gerade das Gegenteil vom Vermeinten der Fall ist: im Web 2.0 ist beta weniger ein Indikator für Mangelware, sondern eher das Pendant zum ISO 9001 Gütesiegel für Qualität. Das Durchschnittsbeta ist bei weitem ausgereifter, hübscher, hipper, … als das Durchschnittsnichtbeta. Grottenschlechte Releases gibts en masse, wirklich schlechte Betas eigentlich kaum.

(als Grund dafür vermute ich mal die kognitive Dissonanz, die üblicherweise auftritt, wenn man seine eigenen Fähigkeiten in Relation zu den Fähigkeiten aller anderen einschätzen soll. Je schlechter die eigenen Kompetenzen, desto eher die Selbsteinschätzung als besonders gut, weil natürlich jeder Maßstab fehlt; je grösser die Kompetenzen, desto grösser die Fähigkeit zur Selbstkritik. Der berechtigte Grössenwahn von 37signals ist da eher die Ausnahme.)